Samstag, 7. März 2009

Theaterkritik an einem Stück meines ehemaligen Deutschlehrers

Die Suche nach dem Sinn 2007

"Die Beantwortung aller Fragen, die das Stück aufwirft, würde das wunderbare Rätsel zerstören,die das Leben, die Welt, Mensch und Gott nun einmal sind." Das ist die Antwort von Michael Huber, Deutsch-und Französischlehrer sowie Leiter der Theater-AG des Gymnasiums Neuenbürg, auf die Frage, welche Bedeutung einzelne Aspekte seines neuen Theaterprojekts haben. Der Titel passend dazu: "Synthesis". Am vergangenen Wochendende demonstrierte er bei drei Aufführungen im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim den Facettenreichtum des Lebens und die Vieldeutigkeit der menschlichen Seele.

Ein Theaterprojekt namens "Synthesis"

Die Schauspieler, die in Hubers Stück mitwirken, sind allesamt ehemalige Lehrer, Schüler des Gymnasiums, sowie Freunde und Gönner, die sich erstmals als Laienspielgruppe im Schloss getroffen haben. Den Verein Theater im Schloss, der auch als Veranstalter hinter diesem Stück steht, gründete Huber im März vergangenen Jahres. Zudem leitet Huber die Theater-AG des Gymnasiums Neuenbürg, dessen Schauspieler von Zeit zu Zeit auch mit den Mitgliedern seines Vereins mitwirken. Viele derjenigen Abiturienten, die inzwischen in Karlsruhe studieren, oder studiert haben, wie Miriam Kurrle, oder Kilian Ochs, sind Hubers Verein treu geblieben.
Allen, die das Gymnasium Neuenbürg einmal besucht haben, es besuchen, oder dort arbeiten, ist Hubers Werk als tiefenpsychologisches, oft verwirrendes, mediales Spektakel aus Videoprojektionen, Musik und Klangeffekten bekannt. Dieses Mal ist neben Theater- und Klavierspiel auch das Genre des Operngesangs vertreten. Miriam Kurrle, Musikstudentin aus Karlsruhe, überzeugt durch Gesang und Aussehen - sie besticht durch ihr in betörendes Rot gehaltenes Kleid. Im Zentrum von Hubers auf vier Ebenen, in 24 Bildern zerteiltes Stück steht die Auseinandersetzung zwischen Skrjabin (1871-1915) und Rossini (1792-1864), zweier in ihrer Musikauffassung sich unterscheidenden Künstler. Beide erliegen ihrer Schwäche für Frauen und Krankheiten, die ihre Körper zerfressen. Thematisch wird hier auch das Ziel der Entmaterialisierung auf der Suche nach der rein geistlichen Erkenntnis und dem Sinn des Lebens angesprochen.

Leidenschaftliche Begierde und die Suche nach "ihr"

In den verschiedenen Bildern wird offenbar, dass die Protagonisten Christoph und Adolf Sonderegger, dessen Kriegskamerad und Skrjabin auf der Suche nach der gleichen Sache sind: Die Suche nach der richtigen Partnerin, die den Gipfel aller körperlichen und sexuellen Begierde darstellt - verkörpert durch das Jungfraumassiv der Schweizer "Busenalp." Dabei fragt Skrjabin eine der fünf aus der Ausstellung "Geist und Kleid" bekannte Flügelwesen um Rat, welche eben dieses Urbild verkörpern. Rossinis Leidensweg wird auf seine Fressucht fokussiert. Bilder von üppigen Gerichten werden dazu auf die Leinwand projeziert.
Was Hubers Stück letztlich auch dieses Mal wieder auszeichnet, ist seine Multiperspektivität. In Anlehnung an "Synthesis 1" (1999), gestalteten Darsteller, Bühnenbildner, Textautoren und alle anderen Mitwirkenden zusammen mit Regisseur Huber ihren Prozess der Selbstfindung. Die verschiedenen philosophischen und theologischen Denkansätze sollen den Zuschauer dazu verleiten, diesen Weg getreu dem Brechtschen Epischen Theater mitzugehen und dadurch selbst die fünfte Ebene des Stückes zu gestalten. Der wichtigste Denkansatz ist dabei der des Theologen, Philosophen und Anthropologen Teilhard de Gardin (1881-1955). In seinem Denken verbinden sich evolutionäres und theologisches Denken. Dabei ist alles Leben eine von Gott bewirkte kreative Bewegung, die in dem letztendlichen Ziel mündet: der Liebe Gottes.
Hubers nächstes Projekt, Büchners "Woyczeck", wird erneut zusammen mit seiner Theater-AG des Gymnasiums am Ende des Schuljahres stattfinden.
- Diese Kritik erschien im damals noch existierenden "Enztäler-Wildbader Tagblatt" (heute nur in der Mantelversion des "Schwarzwälder Boten" existent).

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