Donnerstag, 27. Februar 2014

Was wäre, wenn... Fairness und Crossmedia gelten würden?

Was hat eine Branche zu bieten, die geprägt ist von einer lang andauernden prekären Situation mit offenen Fragen wie der dauerhaften Realisierung von Crossmedia und Online-Journalismus, Rettung der Zeitung etc.? Ehrlich gesagt: Nichts! Zumindest nichts, was demjenigen nützt, der Journalismus gestaltet: dem Journalisten. Wo das Ziel aller Maßnahmen darauf hinaus laufen muss, ist offensichtlich: Dem Prekären muss abgeholfen werden. Ein medienökonomisches Gleichgewicht muss geschaffen werden. Dieses und das Stichwort "Medienökonomie" sind es, die bei der Debatte um "Print stirbt" und "One brand, one media" weitesgehend außen vor gelassen werden. Dabei ist das, was Qualität schafft, nur über den zu erreichen, der genau diese Qualität schaffen kann: den Journalisten. Qualität hänge vom Geld ab, ist einer der Leitsätze der Medienökonomie. Wenn in Medienmagazinen und weiteren Orten, an denen die journalistische Debatte geführt wird, die Rede auf das Geld kommt, sind es meistens die Verleger, die sich zu Wort melden. Sie alle beklagen mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten, um den Medienwandel, sprich: vor allem die Finanzierung des Online-Journalismus', gewährleisten zu können. Eine Maßnahme, die vonnöten ist, ist die Umgestaltung der Online-Rubrik der gedruckten Zeitung. Die weitere? Sie liegt darin, fair und integriert zu denken. "Crossmedia" lässt sich leicht in der Kombination von gedruckter und Online-Zeitung umsetzen. Der Trick ist es, jedes Medium vollends auszunutzen, wie es dank seiner Gegebenheiten möglich ist. Das bedeutet: Schluss mit Copy and Paste und Beginn der Integration der (gedruckten) Wochenzeitung sowie täglicher Berichterstattung via Online-Zeitung. Vorteile liegen klar in der Ausnutzung der Medien bezüglich ihrer Gestaltungsmöglichkeiten. Die Nachricht in der gedruckten Zeitung ist bereits veraltet, wenn sie der Leser kaufen kann. Online lässt sich dies umgehen, da der Weg vom Entwurf bis zur Publikation nicht lange ist. Der Vorteil der gedruckten Zeitung wie der ZEIT liegt darin, Hintergründe zu liefern. Die Vorteile des Onlinemediums liegen darin, Fotostrecken, Audioslideshows und Bildergalerien sowie Videos veröffentlichen zu können. Der zwingende Vorteil für alle Beteiligten, sprich: Akteure in der Medienbranche, liegt darin, diese Notwendigkeit einzusehen und es endlich zu tun, anstatt genau hier zu sparen. Kollegen: Integriert, kombiniert und sprecht die Probleme endlich konkret an! Dann klappt es auch mit der Finanzierung eines guten und hochwertigen Journalismus'', unabhängig von jeglicher prekären Lage.

Freitag, 13. September 2013

Erfolgreiche Projekte

Wettbewerbsbeitrag, der Gewinner des Ernst-Schneiderpreises 2012 wurde (Internetprojekt, zum Beispiel Beitrag "Ein verkanntes Künstlerviertel"):
http://blogs.hr-online.de/eurozone_ostend/
Artikel aus der ersten Ausgabe von clickKIT, einem Magazin des KIT (Artikel "Was Studierende alles können"):
http://www.pkm.kit.edu/downloads/clicKIT_1_08.pdf
Audiobeiträge, gesendet bei Audiomax ("Studienabbrecher", "Schreibberatung", "80 Jahre ESG", Nachrichten, Kinotipp "Denk' wie ein Mann"):
http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/diva/2009-95
Unterlagen für den Mainzer Mediendisput 2009 (Korrekturlesen):
http://bit.ly/AsYdE
Weitere journalistische Beiträge finden Sie bei der Eingabe meines Namens in den jeweiligen Suchmaschinen oder bei Nachfrage direkt bei mir.

Samstag, 18. Mai 2013

Wer ist Schuld an der Finanzkrise? - Alle!

Viele der deutschen Medien geben den Banken die Schuld an der Finanzkrise, die sich angesichts der Globalisierung zu einer Wirtschaftskrise ausgeweitet hat. Sie sprechen noch dazu von einer mangelnden Moral, mit der die Menschen, die am Wirtschaftskreislauf teilnehmen, agieren.

In einer Gesellschaft kann keiner nur für sich agieren

Eine Gesellschaft besteht laut dem Soziologen und Kulturwissenschaftler Niklas Luhmann aus verschiedenen Systemen. Sie funktioniert über soziales Handeln, über das die Mitglieder der Gesellschaft miteinander kommunizieren. Kommunikation entsteht durch die Wechselwirkung von System und Umwelt. Ein System sind dem Kulturwissenschaftler zu Folge verschiedene Einheiten, in denen die Akteure nach einem bestimmten Programm agieren und sich über ein bestimmtes Medium verständigen. Deren Handeln hat unterschiedliche Funktionen. Die Funktion des Wirtschaftens ist zum Beispiel die materielle Reproduktion. Das Medium, mit dem Handel betrieben wird, ist das Geld. Das Programm ist die Knappheit, denn mit dem geringsten Aufwand soll der höchstmögliche Ertrag erzielt werden. Investiert ein Unternehmer mehr in seine Firma als er verdient, ist dies unwirtschaftlich und für ihn unvorteilhaft. Luhmann räumt dem einzelnen System in seiner Theorie Spielraum ein, der Platz für Fehlerquellen bietet. Ein soziales System besteht aus zusammen hängenden aufeinander bezogenen und aufeinander verweisenden sozialen Handlungen, die sich gegenseitig beeinflussen. Wenn mehrere Unternehmen pleite gehen, hat das Folgen, die nicht nur die Unternehmer selbst, sondern auch deren Angestellte und Familien betreffen: Die Mitarbeiter verlieren ihren Job. Sie haben zu wenig Geld, um den Konsum anzuregen und damit den Wirtschaftskreislauf in Gang zu halten. Ihre Familie und sie selbst müssen sich finanziell einschränken.

Die Banken spielen in der Krise eine große Rolle

Selbst die zweite größte deutsche Bank, die „Commerzbank“, steckt in der Finanzkrise in großen finanziellen Schwierigkeiten. Den Banken kommt eine große Rolle innerhalb der Gesellschaft zu. Sie vergeben Kredite oder Startkapital an Unternehmen. Die großen Banken spekulieren noch dazu mit dem Geld der Bürger. Diese hoffen darauf, dass sich ihr Geld in Aktiengesellschaften oder durch hohe Zinsen der Banken vermehrt.

Wo bleibt da die Moral?

Jedes Handeln ist getrieben von verschiedenen Motiven und normalerweise auch von Moral. Dank ihrer sollen sich Menschen Gedanken darüber machen, welche Folgen ihr Handeln unter Umständen auf andere haben kann. Einige Medien beklagen die mangelnde Moral derer, die den größten Einfluss auf den Wirtschaftskreislauf haben, die Bankenmanager. Weder Luhmann, noch die Wirtschaftswissenschaften sehen im Verhalten der Bankenmanager bei Spekulationsgeschäften eine moralische Komponente. Im Sinne der Volkswirtschaftlehre ist Moral auf Menschen bezogen, während Wirtschaftsformen wie Geld weder moralisch, noch unmoralisch sein können.

Weil man von unrealistischen Annahmen ausgeht, sind Fehler vorprogrammiert

Die Volkswirtschaftslehre geht von unrealistischen, weil vollkommenen Annahmen aus. Im Modell des Systems verhalten sich alle Teilnehmer rational und sind mit einem vollkommenen Wettbewerb konfrontiert. In diesem haben alle Väter und Mütter einen Job, die Nachfrage entspricht dem Angebot. Jeder ist sich bewusst, dass die Vollkommenheit nicht eintreten kann. Immer, wenn der Markt gesättigt ist, entsteht ein Ungleichgewicht. Das ist die Konsequenz der freien Marktwirtschaft, nach der unser wirtschaftliches Handeln funktioniert. Deshalb ist auch nicht das System des Kapitalismus alleine Schuld an der Misere. Weil die Mitglieder der Gesellschaft frei in ihrem Handeln sind, müssen sie sich selbst für eine Sozialordnung einsetzen, die dafür sorgt, dass die Güter in einer Gesellschaft gleich verteilt werden. In der Realität ist dies auf Grund eines schwankenden Konjunkturzyklus‘ und eines niemals ausgewogenen Verhältnisses von Angebot und Nachfrage nicht möglich. Deshalb überlegen die Politiker, ob im Falle des Konkurses einer Bank, bei dem auch die Gelder und Spareinlagen der Bürger verloren gehen, der Staat eingreifen und die Bank verstaatlichen muss.

Der Bürger ist mündig – und für sein Verhalten selbst verantwortlich

Auch der Spekulant handelt im System der Wirtschaft nach seinen eigenen Regeln und Gesetzen. Von Moral gelenkt ist sein Verhalten sicher nicht. Denn was tut er, wenn seine Kurse schlecht stehen und er dies rechtzeitig bemerkt? Er verkauft seine schlechten Papiere und stellt sie dem freien Markt wieder zur Verfügung. Er handelt in diesem Sinne rational, weil er durch seine Anteile, die in einem schlechten Kurs stehen, nur Verluste macht. Er hat in dem Moment keinen Nutzen davon, wenn er im moralischen Sinne an die Folgen seines Handelns für die anderen Marktteilnehmer denkt. Denn sie alle sind mündige Bürger, die in einer Demokratie leben. In diesem Sinne sind sie frei zu entscheiden, was sie mit ihren wirtschaftlichen Gütern tun. In diesem Sinne trägt jeder Bürger einen Teil der Schuld an der Wirtschaftskrise. Wie Luhmann schon erkannte, können einzelne Systeme in der Gesellschaft nicht so agieren, dass ihr Verhalten kein Einfluss auf das der anderen hat. Alle Mitglieder der Gesellschaft müssen gemeinsam über eine Lösung der Finanzkrise beraten. - Diesen Artikel habe ich 2009, als die Krise auch medial sehr starke Ausmaße annahm, neben meinem Studium verfasst. -

Sonntag, 31. März 2013

Skurriles, Buntes, Klassisches in der Moderne - mein Messerundgang auf der ART Karlsruhe

In Karlsruhe wird mit menschlichen Maßstäben gemessen. Diese Messe ist eine Klasse für sich", so ist ein Zitat des Galeristen Jörk Rothamels aus Erfurt bzw. Frankfurt am Main, in der Pressemappe der art Karlsruhe zu lesen. Damit könnte man die beliebte Messe ganz einfach beschreiben. Bereits zum zehnten Mal boten die Aussteller auf der art Karlsruhe Kunstliebhabern, Sammlern und neugierigen Karlsruhern Kunstgenuss pur. Besonders Halle 4 bot nicht nur anschauliche Kunstwerke, sondern auch nette Begegnungen mit Galeristen und Künstlern, wovon ich im Folgenden berichten werde. Dass die Messe die "50 000 Besucher-Marke übersprungen" habe, zitierten nicht nur die Badischen Neuesten Nachrichten in ihrer Montagsausgabe. Weitere Fakten wie etwa, dass "220 Aussteller aus 13 Ländern" wieder alles dran gesetzt haben, "um den Besuchern von der Klassischen Moderne bis zur jüngsten Gegenwartskunst viel zu bieten" (Zitat Pressemappe) sind schon vielfach genannt worden. Hier die offizielle Seite der Messe: art-karlsruhe Darauf soll es, wie es der subjektiven Form des Bloggens entspricht, hier auch nicht ankommen. Lehnen Sie sich zurück, genießen Sie die Impressionen, ganz ARTig, die mein Fotograf Michael M. Roth und ich Ihnen hiermit ermöglichen. Um Ihnen, liebe Leser, einen ansprechenden Eindruck zu vermitteln, sei Ihnen ein kurzes Szenario gegeben, erstens: Halle 1: Editionskunst, Fotografien, Objekte und Installationen, Sonderschau "Gisèle Freund" Halle 2 und 3: Klassische Moderne und etablierte Gegenwartskunst, Halle 4: Jüngste Gegenwartskunst. Zweitens: ein persönlicher Eindruck in der Text-Bilder-Komposition: Manchmal ist es gut, am Ende statt am Anfang zu beginnen. Die Ausstellungsstücke in Halle 4 haben zumindest mir persönlich besser gefallen als jene in Halle 1. Dies kann durchaus an meiner Müdigkeit nach vier Stunden Messebesuch gelegen haben. Mehr als das haben mich die kreativen Eindrücke, von ausgefallen (zum Beispiel Schuhe aus Polystyren, einem thermoplastisch verarbeiteten Werkstoff und Mixed Media) bis klassisch (Bilder von Chopin und Goethe, gezeichnet mit Grafit, Kohle und Kreide auf Papier) beeindruckt. Besonders Skurriles aus der Galerie Wagner + Markus in Frankfurt am Main, von der Künstlerin Elena Steiner: Das Bild einer Frau mit vergrößerter, überdimensionaler, welliger Brustwarze, welche in einem Einkaufswagen liegt (leider haben wir kein Foto gemacht). In Halle 2 eine Kochshow, nach dem Motto "Leben ohne nix". Nett: Der "Begrüßer", eine Figur aus Schwemmholz und Keramik von A. Littwin-Pieper, ausgestellt von der Kunsthalle Hosp. Ein Besucher nimmt es wörtlich und grinst die Figur und mich grüßend an. Gleich zu Beginn fiel mir aber ein streng dreinblickender Mann mit geballten Fäusten (Collage aus Acryl, und einer Holz-Assemblage) auf. Weitere Werke des Künstlers, dessen Ausstellung in Kürze in der Galerie Raphael in Frankfurt am Main zu sehen ist, sehen Sie hier: Laut der Galeriemitarbeiterin Deborah Renz ist Eric Liot "jemand, der Kunst aus Leidenschaft betreibt, um durch sie Spaß und Freude zu bereiten. Es handelt sich nicht um Konsumkritik." Und ihr Kollege Daschti Nasir ergänzt: "Er ist eine Ausnahme auf der Art und tritt aus der Masse hervor." So plastisch wie das Kunstwerk durch das eben wirkende, gemalte Bild und die Trennung durch das schier aufwallende Holzstück wirkt, stimmt das meiner Ansicht nach in der Tat. Natürlich geht es auf einer öffentlichen Veranstaltung nicht ohne Klischee. Genau das ist aber das Thema der Künstlerin Svenja Ritter. Ihr Objekt der Kunst sind Schuhe, High-Heels in allen Farben, von schwarz-rosa bis weiß ist alles dabei. Die Künstlerin will daraufhin hinweisen, dass "Schuhe ein Sexobjekt sind, so elegant und aufreizend und so mit Schmerz verbunden wie sie sind. Da geht von ihnen doch einfach für uns alle eine Faszination aus", sagt Galeristin Petra Nostheide-EŸCKE von der gleichnamigen Galerie in Düsseldorf. 2003 hat Ritter damit begonnen, Installationen dieser Art herzustellen. Ein weiteres Projekt dieser Art ist ein virtuelles Schuhmuseum in Holland. Ein weiteres Klischee bringt Künstlerin Marcela Böhm in ihren Bildern zum Ausdruck , dargestellt in komplett reiner Malerei mit perspektivischen Brüchen. "Klischee? Nein, denn die Künstlerin möchte damit sagen, dass diese Rollenverteilung so korrekt sei. Schließlich würde der Mann sowieso nur ein Loch ins Hemd bügeln", sagt Galerist Torsten Obrist von der Galerie Obrist in Essen. Die Künstlerin nehme bei schon bekannten Themen einfach einen weiteren Standpunkt ein. Nicht klischeehaft, sondern farbig mochte es Künstler Manoel Veiga, der seine Arbeiten in der Galerie Dengler und Dengler - Galerie für Schöne Künste in Stuttgart ausstellt. Er "schaffe in seinen Bildern eine große Natur, ohne sie abzubilden", beschreibt Martina Merklinger sein Schaffen in einer Broschüre, die mir Galerist Dr. phil. Steffen Dengler nach unserem Gespräch in die Hand gibt. "Der Künstler hat mit monochrom-blauen Arbeiten und sehr dünnen Farbschichten angefangen", erzählt Dengler mir. Beeindruckt zeigt er sich von der "bestimmten Mischung aus Pigmenten, gemahlenen Steinen", die der Künstler manchmal in ihrem Fluss störe, indem er mit einer Bügelspritze eine bestimmte Menge auf die entsprechenden Stellen sprühe. Eine besonders stark gespannte Leinwand verhindere einen unkontrollierten Farbfluss. Je aufmerksamer der Künstler den Verlauf der Flüssigkeit wahrnehme, je umsichtiger er die Leinwand mit der Spritze bearbeite, "desto feiner" werden während des Schaffens "die Farbübergänge", "desto dezenter die Verläufe", erklärt die Broschüre. Machen Sie sich anhand unserer Fotos selbst ein Bild. Skurill, plastisch, auch Wohlbekanntes begegnete mir auf der art. Auf einer Kunstmesse dieser Art dürfen sicher nicht fehlen: Grafik-Collagen der Verhüllungskünstler Christo und Jeanne Claude von 1978, 57 mal 72 cm, signiert, in Halle 3, die aufgrund ihrer vielen Stahl-Skulpturen ansonsten recht kühl wirkte. . Bekannte Gesichter gleich zweifach: David Bowie und das Schloss Neuschwanstein. Kurzum "Die art KARLSRUHE bietet Deutschlands schönster Kunstmesse die idealen Räumlichkeiten" - dem Satz Jörk Rothamels muss ich wiederum zustimmen. Fotos: (c) Michael M. Roth, MicialMedia.

Samstag, 16. April 2011

Interreligiöser Dialog - eine Farce?!

"Frankfurter Religionsgespräche" an der Evangelischen Stadtakademie in Frankfurt. Veranstaltung Nummer eins: "Getrennt und vernetzt - Religion und Migration online". Ich treffe unter anderem wieder auf Abdul-Ahmad Rashid, Redakteur des ZDF "Forum am Freitag". Neben ihm sitzen der Kirchenpräsident der EKHN (Evangelische Kirche Hessen-Nassau), sowie die Professorin Dr. Ilona Nord, vom Fachbereich "Evangelische Theologie" der Universität Hamburg.

Veranstaltung Teil zwei: "Gehört der Islam zu Deutschland?" in Bensheim, eine Veranstaltung, veranstaltet von der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde, eine reformerische muslimische Gemeinde, die auch in Deutschland, zum Beispiel in Frankfurt, Darmstadt, oder eben Bensheim, ihre Anhänger hat.

Gespräche, Dialog oder Abschottung?

Eigentlich suggeriert mir der Titel der ersten Veranstaltung "Getrennt und vernetzt - Religion und Migration online", dass es um eine bessere Vernetzung zwischen Muslimen und Gleichgesinnten, Muslime und Christen und Deutschen und Muslimen oder andere Migranten geht - oder sagen wir besser: gehen sollte?!

Ich frage sowohl Abdul-Ahmad Rashid, als auch den Kirchenpräsidenten, Dr. Volker Jung, ob sie finden, dass das Internet dazu beigetragen hat, dass Muslime untereinander und Muslime und Christen mehr miteinander kommunizieren.

Das "Forum am Freitag"- ein Forum für Muslime?

Rashid stellt erst mal stolz das "Forum am Freitag" vor. Bestimmte muslimische Persönlichkeiten kommen hier jede Woche zu Wort, die Muslime können sich also über Ihre Landsleute informieren. Oder sich bei Geistlichen Rat über Ihre religiösen Gewohnheiten einholen.

Auch seine Sendung "Forum am Freitag" biete den Muslimen die Möglichkeit, sich verschiedentlich zu äußern und miteinander zu diskutieren. Die Sendung bilde daneben verschiedene Meinungen der Muslime ab: bestimmte muslimische Persönlichkeiten kämen hier zu Wort, sodass sich die User ein Bild von ihnen machen könnten. Er weiß aber leider nicht, ob sich mehr Leute übers Internet vernetzen und da diskutieren. "Ok, was machen wir dann überhaupt hier?", frage ich mich. Man könne über den Glauben reden und verliere leichter die Scheu, sich gerade über ein Randthema wie Religion auszutauschen, sagt mir Rashid.

Migration online?

Austausch ist ja gut. Aber Austausch bedeutet hier ja wohl, dass nur Mitglieder einer Partei, in dem Fall einer religiösen Gruppe, miteinander ins Gespräch kommen. Das bei einem intereligiösen Thema, dass "Migration online", also Integration in eine andere Gesellschaft beinhaltet.

Dass das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen durch mehr Gespräche in Internetforen oder social networks besser geworden sei, kann mir auch der Kirchenpräsident, Dr. Volker Jung, nicht bestätigen. "Wir versuchen bei der Veranstaltung, dieses Thema zu umkreisen, und versuchen uns dem anzunähern", sagt er. Die Kirche selbst erhielte durch den ZDF Infokanal Infos darüber, wie man sich austauschen könne und könne auch Muslimen eine Plattform bieten, wo sie über religiöse Inhalte diskutieren könnten.

Gezielte Abschottung?!

Appell zur Abschottung Nummer zwei. Diskutiert man in Medien und Gesellschaft nicht immer wieder, dass Parallelgesellschaften auf Dauer nicht zur Integration beitragen? Hier erzählt mir ein iranischer Journalist, wie er durch eine Sendung, die das ZDF nur via Internet zur Verfügung stellt, den Dialog zwischen den Muslimen selbst fördern will.

Kann mir aber nichts Genaues darüber sagen, ob der Anteil der Muslime, die in Foren oder Chats diskutieren, größer geworden ist. Da stottert ein Verantwortlicher der Kirche rum, er "versuche" einen Dialog mit den Muslimen. Und gibt zugleich zu, dass er das Thema "umkreise". Wegen der genauen Zahlen solle ich Frau Dr. Nord fragen oder einen Kommunikationswissenschaftler. Da ich mich auf einer Veranstaltung befinde, bei der es offensichtlich auch um das Kommunikationsverhalten von Muslimen und Christen geht, verzichte ich darauf, externe Quellen zu befragen. Ich frage stattdessen Frau Dr. Nord - sie kann mir keine Antwort geben.

Religiöser Monolog statt interreligiöser Dialog

Wo bleibt da der Dialog, um den es bei einem Gespräch mit intereligiöser Intention geht?

Die Ausrede von Kirchenmann und Journalist: Es gehe erst einmal darum, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Angebote es gebe, die es ermöglichten, sich innerhalb der beiden Glaubensrichtungen anzunähern.

Für ein besseres Verhältnis sei aber "eine reale Begegnung vor Ort notwendig". Wenn ich mir das vermeintliche "Gespräch" an diesem Abend anschaue, glaube ich das gern.

Vor Ort sein - die Lösung?!

Die persönliche Begegnung betont auch Lukman Majoka, Student der Islamwissenschaften an der Universität Marburg, bei einem Vortragsabend zur Frage "Gehört der Islam zu Deutschland?" in Bensheim. Ein CDU-Stadtrat ist auch dabei. Er sagt, dass die Mulime ja selbst besorgt darum seien, dass Koranstellen ohne Vorwissen falsch interpretiert würden. Er zeigt sich sehr offen gegenüber den Muslimen und freut sich, dass ein Muslim sogar CDU-Mitglied sei.

Beeindruckend. Trotzdem merke ich, dass diese Veranstaltung wieder sehr einseitig ist. Majoka spricht selbst von einer PR-Veranstaltung. Er referiert über die Geschichte und zeigt auf, wie die Muslime unter anderem die Zahl PI erfanden und dass Worte wie "Alkohol" aus dem Arabischen stammen, vom Wort "Artekel". Schön, aber was ist der Effekt heute, außer der Tatsache, dass es das Wort und das Ding „Alkohol“ noch gibt?!

Dialogbereitschaft von unten her?

Warum kein Verantwortlicher der Kirche anwesend sei, frage ich Majoka. Er antwortet, dass Gespräche unter Verantwortlichen den Dialog nicht fördern würden. In Bensheim kenne man sich untereinander und suche häufig das Gespräch - Christen und Muslime.

Ich bin ein wenig skeptisch. Veranstaltungen von Christen auf der einen Seite, die "versuchen, sich dem Thema anzunähern", wie Dr. Jung sagt. PR-Veranstaltungen von Muslimen auf der anderen Seite, wo Kirchen-Verantwortliche stören. Auf der anderen Seite die "Versucherle" der Kirche, wie man im Schwäbischen sagen würde. Mir kommt der Begriff "Parallelgesellschaften" in den Sinn.

Ist Lessings Traum ein für alle Mal gestorben?

Hatte Lessing unter Umständen recht, der sich durch seine Ringparabel einen Dialog aller Weltreligionen wünschte und sie durch die gewählte Form der Parabel zugleich bezweifelte?

Ist die Abschottung der Religionen zueinander zu stark, als dass sie Vorurteile beilegen und sich besser miteinander arrangieren können? Egal, ob Jesus Gottes Sohn oder ein Prophet ist, sowas wie ein heiliger Krieg kann im schlimmsten Fall ja nur verhindert werden, wenn man Hassgefühle ablegt, die daraus resultieren, dass irgendeiner recht zu haben glaubt. Und dass wir Angst vorm Fremden, wie einer anderen Nationalität und Fremden, haben.

Das Problem an der Wurzel packen

Glauben ist nun mal nicht wissen. Wer hat die richtige Religion, Du oder ich? Das Problem bei allen Religionen ist, dass sie die definitive Wahrheit für sich beanspruchen und auf Ihr Recht pochen. Doch selbst, wenn es den Beweis geben würde, dass beispielsweise Jesus definitiv Gottes Sohn oder definitiv ein Prophet war. Die Öffentlichkeit würde es nie erfahren. Ob Pfarrer oder Imam – einer von beiden würde die Veröffentlichung entsprechender Dokumente verhindern.

Genau um die beiden geht es. Es ist schön, wenn Menschen wie Du und ich bei solchen Veranstaltungen miteinander diskutieren. In Deutschland herrschen aber nun mal vorrangig hierarchische Strukturen, die es erforderlich machen, dass Pfarrer, Priester, Imame oder andere Gläubige miteinander reden - nicht nur die Zivilbevölkerung, auch wenn das schon einmal ein guter Ansatz ist.

Freitag, 13. August 2010

Oh, mein Schwarzwald

Kurzer Kommentar zur Schwarzwaldidylle

Dass das Magazin "Merian" den Schwarzwald durch eine rosarote Brille betrachte und darüber hinaus die Eskapaden eines Ihnen bekannten Klosters im Schwarzwald vergesse, las ich kürzlich im "Schwarzwälder Boten." Die Missbrauchsfälle sind schlimm, ohne Frage. Aber abgesehen davon, dass man darüber nachdenken sollte, ob das Zölibatgebot in der Moderne nicht längst überholt ist: Gehört diese Frage in ein Reisemagazin? Dessen Aufgabe ist es einerseits, über ein Land, eine Gegend, einen Ort zu informieren - aber auch für diesen Werbung zu machen. Wer macht schon Urlaub in der Nähe eines Badesees, über den berichtet wird, dass an ihm ständig Quallen gefunden werden?!
Und wer kennt sie nicht, die idyllischen Heimatfilme á la "Das Schwarzwaldmädel" mit Rudolf Prack und Sonja Ziemann?
So einen ähnlichen habe ich heute Morgen im Fernsehen gesehen. Ganz entzückend auch hier: das reizende Schwarzwaldmädel mit ihrem roten Bollenhut, der ihrem Liebsten signalisiert, dass sie noch nicht in festen Händen ist.

Das Genre der Heimatfilme hatte seine Blütezeit in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts - nach einer Zeit, in der die reale Heimat der Menschen durch die Verwüstungen des Krieges schon verloren schien. Da kamen die heimeligen Filme gerade Recht. Und schauen wir uns heute nicht auch Daily Soaps oder andere leichte Kost an, um uns von den Mühen des Alltags abzulenken. Ich jedenfalls war letztens auf einer Lesung eines schwäbisch-alemannischen Schriftstellers über sein "andalusisches Schwarzwalddorf".
Der Hinweis auf die ausgeprägte Heimatliteratur um den Schwarzwald herum im Oberrheingebiet, Beispiel Karlsruhe, sei hier als Zusatz erlaubt.

Und auch heute Morgen habe ich sehnsüchtig die Bilder der hohen Tannen des Schwarzwaldes angeschaut...
Meine Kollegen in der Germanistik sprechen von einem Dialektverlust. Da sollen sie doch eimal nach Karlsruhe gehen und sich die große Auswahl an Mundartbüchern und Heimatliteratur anschauen...

Sonntag, 16. Mai 2010

Der 2. Ökonomische Kirchentag - ein persönlicher Rückblick



Welche Aufgabe hat die Kirche heute? Kritiker, besonders aus den Reihen der Freikirchen, werfen "der Kirche" ja häufig vor, sie widme sich "nur" gesellschaftspolitischen Fragen. Gemeint ist damit eigentlich die alte Frage nach der Trennung von Religion und Politik. Sie gibt es hier in Deutschland auch nur pro forma. Schließlich ist in der Präambel des Grundgesetzes eindeutig von der "Verantwortung vor Gott und den Menschen" die Rede. Das Wort "Verantwortung" fiel direkt und indirekt häufig in den Seminaren. Katrin Göring-Eckhardt, Bundestagsvizepräsidentin und Kirchentagspräsidentin, hatte ihn beim Seminar „Grenzen des Wohlstandes“ zum Beispiel gebraucht. Aber schon die zahlreichen Biostände, Stände rund um den ökologischen Rucksack bzw. Fußabdruck, inklusive der Imbissbuden, ermahnten und lockten die Besucher an. Insgesamt war die Stimmung trotz ermahnender Podiumsdiskussionen, Fair trade im Überfluss und ausgebuchten Großkonzerten sehr gut. Die fleißigen Helferlein, die immer und überall rund um den Kirchentag mit dabei waren, waren überwiegend vom Verband Christlicher Pfadfinder - und sehr fotogen. Zwei Mädels hatten sehr viel Spaß dabei, fotografiert zu werden. Auf meine Frage hin, was für sie denn "Hoffnung" sei, waren beide sehr optimistisch."Wenn man etwas erreichen will, nützt Hoffnung, um es zu erreichen", erzählt mir die 16jährige Neele. Und Lena ergänzt: "Hoffen kann man, weil Glaube die Hoffnung bewahrt. Er verhilft zur Gemeinschaft und verschafft Gewissheit darüber, dass man nicht allein ist und Gott alles lenkt." Aber nicht nur Christen, auch bekennende Nicht-Gläubige, wie der 21jährige Meterologiestudent Matthias aus dem Harz meint: "Hoffnung sollte man auf jeden Fall haben, ohne Hoffnung geht es nicht weiter." Trotz der Euphorie, die mir besonders in den überfüllten U-Bahnen entgegen schlägt,nehme ich den Menschen die übertriebene Gelassenheit nicht ab. Oder bin nur ich pessimistisch? Ausstellungen, die zwar schön aussehen, aber nicht viel Neues bringen und zwei Kirchen, die im ökumenischen Sinne, auch beim Kirchentag, nicht gemeinsam das Abendmahl einnehmen können,überzeugen mich nicht völlig. Vielleicht wäre ein weniger an Veranstaltungen ja auch mehr gewesen.